Adrian & Mathis - Mühlital, Frühjahr 2019

Mathis Künzler

Regisseur, Schauspieler, Kommunikationstrainer, gelernter Schlosser
Mann, Vater, Sohn

Als kleiner Junge begann meine Leidenschaft für Geschichten, mehrmals wöchentlich klopfte ich beim alten Nachbarn mit dem Holzbein an und wollte Geschichten aus seinem leben hören. Niemals vergesse ich das knirschende Bein auf dem Dielenboden und das wohlige Schaudern.

Die Kindheit verging, ich überschritt die Schwelle zum Mann-Sein - die Leidenschaft für Geschichten und Heldenfiguren aber bewahrte ich. Als Ausgleich zu meiner Schlosserlehre verbrachte ich Wochen unter freiem Himmel. Ich entdeckte die Magische Welt der Frauen, meine Leidenschaft fürs Theater und reiste immer wieder in die Sehnsuchtswelt des Orients. Meine unbeschwerten Sturm und Drang Jahre, des wilden selbstbewussten Schauspielers, bescherten mir schwindelerregende Höhenflüge und einen abgrundtiefen Fall. Ein Nahtoderlebnis wurde zum unausweichlichen Wendepunkt auf meinem rasanten Weg.

Was folgte war nicht die romantische Vorstellung eines neu entdeckten Lebensinns, sondern eine tiefe Sinnkriese und Erschütterung, die sämtliche Konzepte meiner selbst ins Wanken brachte. Der Held meiner Geschichte erstarrte, und es war meine Wahl, dort zu bleiben – oder weiterzugehen.
«Nomad Asket» hab ich den Weg genannt den ich vor 13 Jahren eigeschlagen hab.
Ein Weg ohne zurück. Asket von dem altgrichischen ascot,=üben, mit sich allein zu sein. Nomad für das umherziehen von Geschichte zu Geschichte und Mensch zu Mensch. Den Zeichen folgend. Erforscher meiner Wurzeln. Erschliesser der inneren Landkarte. Deine grössten Herausvorderungen sind deine besten Lehrmeister. Das abgefallene Blatt kehrt nicht zum Baum zurück.

Ich lernte die Männerarbeit von Peter A. Schröter kennen und welche Kraft und Energie in ihr steckt. Auf meinem Weg wurde mir mein Wunsch bewusst, meinen Beruf des Theatermachers mit der Welt der Männerrituale zu verbinden. Denn jedes Ritual lebt von der Kraft der Geschichten, von der Magie der Inszenierung. Es geht um echte Gefühle und Wahrhaftigkeit. Die vielen Jahre als Kommunikationstrainer haben mein Auge geschult, für Gruppenprozesse, Konfliktverhalten und die unentbehrlichen Schlüssel der Kommunikation.
Heute bin ich Vater von zwei Söhnen und Sohn eines sich langsam verabschiedenden Vaters. Ehemann, Liebhaber und immer noch ein bisschen verrückt wie eh und je. Die Liebe zu den Geschichten habe ich mir über die Jahre erhalten und gebe sie weiter. Und trotz all meinen Lebens-Geschichten weiss ich, dass ich nichts weiss.

Adrian Wiesmann

Architekt, Mediator, Naturrituale für Väter&Söhne , Männercoach und
integrales Arbeiten mit Gruppen nach ibp

Als junger Mann fühlte ich mich wie ein wilder Indianer und Krieger, der auf seinem Hengst durch die Prärie prescht. Voller Energie, unverwundbar und ein stolzer Kämpfer, der in der männlichen Gemeinschaft loszieht, um in den endlosen Steppen zu jagen. Aber anstelle des Pferdes kaufte ich mir ein Velo, und die Steppen tauschte ich aus gegen die Strassen Berns. Und so verblasste mit der Zeit auch die Energie des Kriegers, und ich fand mich in einem normalen Leben mit normalen Anforderungen und den täglichen Herausforderungen wieder. Anstatt mit meinen Indianerbrüdern Büffel zu jagen, kümmerte ich mich um das Wohl meiner Kinder. Daneben war ich gefordert, ein Unternehmen aufzubauen und meine Familie zu ernähren. Ich musste feststellen, dass auch wilde, mutige Krieger tiefe Verletzungen einfangen können. Und so scheiterte ich schlussendlich an den hohen Anforderungen, welche ich an mich stellte. Neben meinem Wunsch, mich als Indianer mit den grossen Mächten zu verbinden, spürte ich auch immer eine stille Sehnsucht nach dem Vater oder Mentor, der mich in die Weisheiten des Lebens einführt. Meinen Vater hingegen erlebte ich als abwesendes männliches Vorbild, der mich in einer von Frauen und Leistung dominierten Gesellschaft aussetze. So machte ich mich auf die Suche nach Mentoren ausserhalb meines engen Kreises, welche mich das Leben lehrten.

Meinen ersten Mentor habe ich in meinem Lehrer, Freund und Aikidomeister gefunden. Aikido, die japanische Kampfkunst, übe ich seit 26 Jahren. Ich lernte, mich durchs Leben zu kämpfen und dabei meine Energie sparsam einzusetzen. Und ich lernte, die Kräfte des Angriffs zu meinem Vorteil zu nutzen.
Durch die Trennung von meiner Familie und den Kindern landete ich am Tiefpunkt meines Daseins. Mir wurde klar, dass ich daraus nur herausfinden konnte, indem ich mich mit meinem Mann-Sein konfrontierte. Schonungslos und ganzheitlich.
Vor 16 Jahren reiste ich mit anderen Männern in die Wüste Sinai. Bei vier Tagen fasten und Wüstenleere und Visionsreisen betrachtete ich mein Schicksal. Dort lernte ich die männlichen Archetypen kennen. Die damit verbundenen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Männern, mit ihren Geschichten – und der Konfrontation mit meiner Lebendigkeit, mit meinem inneren Feuer haben mich nachhaltig geprägt. Und so lernte ich bald darauf meinen zweiten Mentor, Peter A. Schröter, kennen. Die Lebensschule für Männer von Peter A. Schröter mit den vier Archetypen hat mein Leben nicht nur entscheidend verändert, sondern mir eine neue, unglaubliche Qualität gebracht. Ich habe mich mit mir und meiner Geschichte auseinander gesetzt. Ich erlangte Vertrauen in die männliche Energie, in meine männliche Energie. Und ich erlebte viele berührende Freundschaften unter Männern.
Neben den vielen Jahren, welche ich nun die Arbeit mit Peter A. Schröter als Assistent begleitet habe, bin ich mit eigenen Naturritualen für Männer unterwegs. Ich führe durch Schwitzhütten-Rituale, Initiationsriten für junge Männer und den Schwertkampf für Väter&Söhne.

Nach dem Aufbau eines Architekturbüros und den damit verbundenen erfolgreichen Jahren des kreativen Schaffens und meiner weiteren Ausbildung zum Mediator ist mir bewusst geworden, dass ich meine Kräfte neu zu bündeln will. Ich habe mein Geschäft verkauft, um mich vermehrt der Männerarbeit zu widmen. Sich dem Leben in der Männerarbeit zuzuwenden, führt zu der Verbindung mit der männlichen Kraft. Daraus werden wir genährt und gestärkt. So begegnen wir uns selber, anderen Männern und den Frauen und Kindern. Für mich ist dies ein starker Weg, sich dem Leben mit allen Facetten hinzugeben. In Auseinandersetzung mit unseren vier männlichen Archetypen, in Kontakt mit den Elementen, den Natur-Riten und im Austausch mit den vielen Männern, welchen ich auf meinem Weg begegnet bin, bin ich in Kontakt mit meiner Kraft und mit meinem Lebensfeuer.

Keltentor, Schwarzwasser